ETFs: Synthetisch oder physisch?


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ETFs: Synthetisch oder physisch?

Indexfonds bieten für den Anleger zahlreiche Vorteile. Das Ziel von Exchange Traded Funds (ETFs) ist es, die Wertentwicklung eines Index möglichst genau nachzubilden. Der Fonds versucht dabei nicht besser zu sein als der Markt, den er abbildet.

Die Nachbildung eines Index kann grundsätzlich auf zwei Arten erfolgen: physisch und synthetisch. Doch was genau steckt eigentlich dahinter? Was der Unterschied zwischen physisch und synthetisch replizierenden ETFs ist und worauf Anleger achten müssen, erklärt dieser Ratgeber.

Synthetische und physische ETFs auf einen Blick:

  • ETFs können einen Index auf zwei Arten nachbilden: synthetisch oder physisch
  • Synthetische Replikation: ETFs bilden den Index indirekt durch ein Tauschgeschäft nach
  • Physische Replikation: ETFs mit direkter Nachbildung

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ETFs: Was ist der Unterschied zwischen physischer und synthetisch Replikation?

Im Unterschied zur synthetischen Replikation, investiert ein physischer ETF direkt in die Werte, die der Index enthält. Dadurch wird eine reale Nachbildung des zugrundeliegenden Index angestrebt. Bei der synthetischen bzw. indirekten Replikation erfolgt die Indexnachbildung über ein Tauschgeschäft. Vereinfacht gesagt, schließt der ETF einen Vertrag mit einem Finanzinstitut ab, welches im Tausch gegen eine Gebühr die Rendite liefert. Die Rede ist von einem Total-Return-Swap.

Möchten Sie herausfinden, ob es sich um einen synthetischen oder physischen ETF handelt, sollten Sie in das Factsheet des Fonds schauen. Darin sind alle Informationen zum jeweiligen ETF enthalten. Sie finden dort meist den Hinweis „physisch“ oder „synthetisch“ – oft ist auch von direkter oder indirekter Replikation die Rede.

Steffen Grebe
Honorar-Anlageberater // Bafin ID: 80133858

Physische ETFs

Ein physisch replizierender ETF bildet den zugrundeliegenden Index eins zu eins ab. Das heißt: Die Gewichtung der Aktien, die der ETF enthält, entspricht der des Index. Bei einer Vollreplikation findet eine 100-prozentige Nachbildung statt. Diese Methode ist zwar besonders transparent, ist allerdings nur für Indizes möglich, die aus einer geringen Anzahl liquider Aktien bestehen (wie beispielweise der DAX). Ist der ETF sehr groß (MSCI World), werden nur bestimmte Aktien gekauft. In diesem Fall spricht man von einer Teilreplikation oder „Sampling“.

Wenn in einem Index Titel ausgetauscht werden, dann muss der Anbieter von physisch replizierenden ETFs die entsprechenden Wertpapiere kaufen bzw. verkaufen.

Was bedeutet ETF-Sampling?

Möchte ein ETF einen Index abbilden, in dem sehr viele oder illiquide Unternehmen enthalten sind, kann eine physische Replikation sehr teuer und aufwendig sein. Deshalb wird beim Sampling der Index nicht mehr originalgetreu abgebildet und nur Werte mit einbezogen, die den größten Einfluss auf den Indexwert haben und gut handelbar sind. Aktien mit einer geringeren Gewichtung werden außen vorgelassen.

Das kann dazu führen, dass sich die ETF-Performance von der des Index unterscheidet – den Unterschied nennt man Tracking Error.

Mit Hilfe mathematischer Modelle wird versucht, die optimale Zusammensetzung der Aktien zu berechnen und damit den Tracking Error möglichst klein zu halten. Wird die Auswahl mittels Optimierungsverfahren getroffen, spricht man auch vom „optimalen Sampling“.

Beim Sampling können Transaktions- und Verwaltungskosten – insbesondere bei großen Indizes – reduziert werden. Durch die ungenauere Abbildung kann es allerdings zu Abweichungen zwischen dem Index- und der ETF-Performance kommen. Dieser Tracking Error stellt ein mögliches Risiko des Samplings dar.

Synthetische Replikation von ETFs

Ein synthetischer ETF bildet den Index nicht originalgetreu nach. Er kann sogar Wertpapiere enthalten, die im Index nicht existieren. Gewinne erzielen die synthetischen ETFs durch Derivate bzw. Swaps (Tauschgeschäfte). Deshalb werden sie auch als Swap-ETFs bezeichnet.

Der Anbieter eines ETFs schließt dabei einen Vertrag mit einem Swap-Partner. In der Praxis ist dies häufig der Mutterkonzern des ETF-Anbieters. Der Partner verpflichtet sich, die Indexrendite inkl. Dividenden zu zahlen. Im Gegenzug erhält der Swap-Kontrahent eine Gebühr (Swap-Gebühr) und die Rendite der Wertpapiere im Portfolio.

Die Gelder der Anleger sind in einem Wertpapierkorb investiert, der als Sicherheit für das Swap-Geschäft dient. Die Swaps werden nicht an der Börse gehandelt, weshalb die Gebühren für den Anleger nicht immer nachvollziehbar sind. Da die Verträge ausschließlich mit den Partnern ausgehandelt werden, können hohe Kosten entstehen.

Synthetische ETFs unterliegen einem Kontrahentenrisiko

Da ein synthetischer ETF davon abhängig ist, dass der Partner (= Kontrahent) seinen Verpflichtungen nachkommt, besteht ein Kontrahentenrisiko. Sobald der Swap-Partner den Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen und die Rendite nicht mehr liefern kann, muss der Anbieter auf den Sicherheitenkorb zurückgreifen. Im schlimmsten Fall müssen Anleger einen Verlust verzeichnen.

Aus diesem Grund ist das Kontrahentenrisiko in der EU durch die OGAW-Richtlinie (Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapiere) gesetzlich begrenzt. Bei vielen ETFs finden Sie auch die englische Abkürzung UCITS. Die Richtline schreibt vor, dass der Umfang des Swap-Geschäftes bei einem ETF nicht mehr als 10 % des Fondsvolumen betragen darf. Die restlichen 90 % sind durch Sicherheiten abzudecken, die bei einem Zahlungsausfall an die Anleger ausgezahlt werden können. In der Realität beträgt der Anteil der Sicherheiten häufig aber deutlich mehr als 90 %.

Arten von synthetisch replizierenden ETFs

Ob Sicherheiten innerhalb oder außerhalb des Fondsvermögen gehalten werden, beeinflusst im Insolvenzfall die Liquidationszeit der Sicherheiten. Im Hinblick auf die Hinterlegung von Sicherheiten, kann man bei ETFs mit synthetischer Replikation zwischen Unfunded Swaps und Funded Swaps – also ungedeckten und gedeckten Swaps – unterscheiden. Bei einem Unfunded Swap hält der ETF seine Sicherheiten selbst. Dabei kauft der ETF einen vom Kontrahenten definierten Wertpapierkorb als ein Bestandteil des Fondsvermögen. Dieser fungiert als Sicherheit und kann im Falle einer Insolvenz ohne Zeitverzögerung liquidiert werden. Dagegen wird bei einem Funded Swap die Liquidität gegen die Wertentwicklung des Index-Wertentwicklung getauscht. Die Gelder der Anleger werden dazu für die Zeit des Tauschgeschäftes an den Kontrahenten übertragen. Ist der ETF rechtlicher Eigentümer der Sicherheiten, kann die Liquidation in der Regel schnell vollzogen werden. Besteht nur ein Pfandrecht, muss der Anspruch zunächst eingefordert werden, was einige Zeit beanspruchen kann.

Steffen Grebe
Honorar-Anlageberater // Bafin ID: 80138885

Synthetisch oder physisch? ETF-Replikationsmethoden im direkten Vergleich

Physische ReplikationSynthetische Replikation
Basiswert100 % Replikation oder Teilreplikation durch SamplingSwap-basiert mittels Tauschgeschäft
AusschüttungAusschüttend oder thesaurierendÜberwiegend thesaurierend
IndexgrößeKlein oder großKlein bis groß
Vorteile
  • Aktien sind tatsächlich im Fondsvolumen vorhanden
  • Nachvollziehbarkeit für Anleger
  • Anleger können an schwer erreichbaren Märkten teilnehmen
Nachteile
  • Vollreplikationen können nur kleine Indizes oder solche mit mehrheitlich liquiden Unternehmen replizieren
  • Aufgrund der exakten Nachbildung ist die physische Replikation aufwendiger
  • Dabei fallen auch mehr Gebühren an
  • Bei der Teilreplikation gibt es automatisch kleinere Abweichungen zum Index (Tracking Error)
  • Niedrigere Transparenz und oft schwer nachzuvollziehen
  • Zusätzliches Kontrahentenrisiko

Physische vs. synthetische ETFs – was ist besser? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. In der Regel haben die Replikationsmethoden wenig Einfluss auf die Performance des ETF, weshalb Sie als Anleger in diesem Sinne nicht viel falsch machen können. Da sie den Index 1:1 abbilden und gerade für Anfänger einfach nachzuvollziehen sind, sind physisch replizierende ETFs eine gute Wahl. Wer aber in Nischenmärkte investieren möchte, kommt an den Swap-ETFs nicht vorbei. Bei den synthetisch replizierenden ETFs besteht allerdings ein gewisses Kontrahentenrisiko. ETFs und die Trägerportfolios gehören in Deutschland zum Sondervermögen – die ausstehenden Swap-Differenzen jedoch nicht. Das heißt: Sie könnten im schlimmsten Fall Ihre Renditen verlieren. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit dazu eher gering ist, sollten Sie immer prüfen, welche Sicherheiten bei einem ETF hinterlegt sind.

Davor Horvat
Honorar-Anlageberater // Bafin ID: 10138885

Fazit: Ob physisch oder synthetisch – Hauptsache ETF!

Ein großer Vorteil von physischen ETFs ist ihre Transparenz. Anleger wissen genau, in was sie investieren. Allerdings ist diese Replikationsmethode nicht für alle Indizes geeignet – wenig liquide Märkte lassen sich nur schlecht nachbilden. Dagegen können synthetisch replizierende ETFs jeden Index bzw. Markt abbilden. Im Unterschied zu physischen ETFs besteht bei den synthetischen ETFs allerdings ein Kontrahentenrisiko. Dieses Risiko ist aber gesetzlich reguliert.

Sind also synthetische oder physische ETFs besser? Angesichts des Ausfallrisikos macht es keinen großen Unterschied, ob der Index synthetisch oder physisch abgebildet wird. Wer das Kontrahentenrisiko dennoch umgehen möchte, sollte physisch replizierende ETFs bevorzugen. Alle ETFs zeichnen sich durch ihre hohe Sicherheit, Diversifikation und Kosteneffizienz aus, wodurch für Anleger nur ein geringes Risiko besteht.

Schlussendlich entscheiden Sie selbst, ob Sie lieber in Swap-ETFs oder physische ETFs investieren möchten. Benötigen Sie Hilfe bei der Auswahl von ETFs, können Sie sich an uns einen wenden. Mit unserer jahrelangen Expertise in der Anlageberatung stehen wir Ihnen bei allen Entscheidungen zur Seite.

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